Nach meinem kurzen und obendrein noch durch Krankheit geprägten CH-Aufenthalt bin ich wieder heil in CDO gelandet. Es tut mir leid, dass ich euch während meinem unangemeldeten Besuch nicht alle sehen konnte. Es sollte ein Überraschungsbesuch werden, bei welchem ich in erster Linie meinen Grossvater an seinem 90. Geburtstag besuchen wollte. Dank Merve konnte ich auf www.kayak.com einen äusserst günstigen, wenn auch etwas umständlichen Flug buchen. Anstatt einem gemütlichen Mittagessen mit meinem Grossvater lag ich also an dessen Jubiläum mit knapp 41° Fieber im Inselspital. Mein sechstägiger Aufenthalt dort war von starken Kopfschmerzen und permanentem Fieber über 40 Grad geprägt. Ich vermutete bereits zu Beginn Denguefieber, was später durch Labortests bestätigt werden konnte. Wir hatten kurz vor meiner Abreise zahlreiche Denguefälle in Cagayan, wobei auch ein betroffenes Kind aus unserer Community von IKP im Spital unterstützt wurde. Dengue ist eine Tropenkrankheit, die durch die tagaktive Tigermücke übertragen wird. Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen wie eine schwere Grippe mit sehr hohem Fieber und einer starken Reduktion der Blutplättchen – in meinem Fall sanken letztere von normalen ca. 130‘000 auf 50‘000. Dengue kann sehr gefährlich werden, nämlich dann, wenn der Blutdruck absackt und/oder es zu inneren Blutungen kommt. Bei diesen kritischen Fällen spricht man vom hämorrhagischen Denguefieber, welches durch Schock zum Tode durch Herzstillstand führen kann. Vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass wir in CDO bereits am Tag nach meiner Ankunft mit einem solchen Fall konfrontiert wurden und ich einmal mehr schnell entscheiden musste. Noch nicht ganz erholt von meiner Reise und vom Denguefieber begab ich mich ins City Hospital. Während ich zügig auf den Spitaleingang zulief und mich dabei auf das Display meines Mobiltelefons konzentrierte – ich schrieb der Sozialarbeiterin – stiess mein Kopf unverhofft gegen ein herunterhängendes T-Eisen der Nottreppe. Sogleich wurde es warm auf meiner Stirn und bald lief mir Blut in die Augen. Anstatt die Patientin zu besuchen, musste ich mich somit zuerst selber behandeln lassen. Eine Krankenschwester entfernte das Haar im Bereich der Wunde, wusch das Blut weg, desinfizierte die blutende Stelle und wies mich an, auf den Arzt zu warten. Ich lief stattdessen weg und begab mich auf die Bettenstation, wo die dreijährige Shyrille Reyes im Fieberwahn lag. Ihre Ärztin kannte ich bereits bestens. Sie erklärte der Familie, dass Shyrille jeden Moment sterben könne, da ihr Blutdruck instabil sei und sie an inneren Blutungen leide; beides Anzeichen für ein Dengue-Schock-Syndrom. Shyrille benötigte dringend Intensivpflege, musste sediert und an eine Beatmungsmaschine angeschlossen werden. Nur so würde es möglich sein ihren Blutdruck mit den entsprechenden Medikamenten stabilisieren zu können. Vom Katheter floss rotgefärbter Urin in einen am Bett befestigten, transparenten Beutel. Auch im Stuhl hatte Shyrille Blut, wie uns die Ärztin weiter unterrichtete. Noch während wir ihren Ausführungen folgten, musste Shyrille Blut erbrechen, worauf ihre Mutter verzweifelt in Tränen ausbrach. Ich blieb sachlich, auch wenn es mir das Herz zerriss. Dann nahm ich den Vater mit nach draussen und sprach zu ihm. Ich erklärte ihm die Regeln, dass er bei sämtlichen Angehörigen um Geld betteln müsse, dem Stadtpräsidenten und dem Kongressmann einen Bettelbrief schreiben und mit unserer Hilfe beim Philippinischen Lotteriefond um Unterstützung bitten müsse. Ich erklärte ihm, dass er und seine Frau die Verantwortung für ihre Tochter hätten und wir die Kosten nicht tragen könnten. Es war nicht sicher, ob Shyrille überleben würde. Klar war jedoch, dass Shyrille, wenn nicht umgehend in ein ICU (Intensive Care Unit) verlegt, wohl bald sterben würde. Nachdem die Bedingungen klar waren, rief ich die frühere Ärztin von Varve (Spezialistin für Pedia Critical Care, eine von vier auf ganz Mindanao) an und bat um einen Intensivplatz im Madonnahospital. Zwei Stunden später hing Shyrille sediert an einer Beatmungsmaschine.
Über uns
In einer Welt voller Elend und Ungerechtigkeit soll eine Gemeinschaft entstehen, in der von der Gesellschaft längst fallengelassene Menschen Hoffnung und neuen Lebenssinn finden und in Harmonie zusammenleben können. Verstossene und verwaiste Kinder sollen in der Pflegefamilie Liebe, Fürsorge und Geborgenheit erfahren, eine Schule besuchen und sich ihren Fähigkeiten entsprechend entwickeln können. Suchtkranke, missbrauchte und misshandelte Kinder sollen erfolgreich rehabilitiert und wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden.
Island Kids Philippines setzt sich seit 2007 nachhaltig und mit Nächstenliebe für diese Vision sowie für schwerkranke Menschen aus ärmsten Verhältnissen ein. Als Initiant des Hilfswerkes will ich interessierten Menschen Einblick in unsere tägliche Arbeit und die damit verbundenen Probleme, Schicksalsschläge, Erfolge und Glücksmomente geben - ich will Sie an unserer Geschichte teilhaben lassen.
No comments:
Post a Comment